Völli bleibt! — Jeder Baum zählt!



Der Völli ist noch nicht gerettet!

Nur ca. 17 km von der Hamburger Innenstadt entfernt, liegt im Süden der Vollhöfner Wald. In knapp 60 Jahren konnte sich auf einem ehemaligen Spülfeld ein unberührtes Naturidyll entwickeln hat - ganz ohne den Eingriff des Menschen. Auf dem rund 45 Hektar großen Gebiet haben viele seltene Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum gefunden. Doch dieser Pionierwald ist bedroht. Das Gelände des Waldes gehört zum Hafenerweiterungsgebiet und wird nach dem Hafenentwicklungsplan von 2012 für Logistikhallen vorgehalten. Dafür sollten die ca. 30.000 Bäume gefällt werden. Seit 2012 sind die Umsatzzahlen im Hafen deutlich gesunken und die Dringlichkeit der Klimakrise hat deutlich zugenommen. Daher fordert die Klimaschutzinitiative Vollhöfner Wald den Hamburger Senat und die HPA (Hamburg Port Authority) auf, die Pläne zur Abholzung des Waldes endgültig zu stoppen und den Wald dauerhaft unter Schutz zu stellen. Nachdem im Herbst 2019 Aktivist*innen sich mit einem Baumhaus medienwirksam für den Erhalt des Waldes einsetzten, wurde das Areal für die Öffentlichkeit gesperrt. Seit August ist der Wald wieder zugänglich. Im Juni 2020 einigten sich SPD und Grüne im Koalitionsvertrag darauf, dass nicht mehr der Vollhöfner Wald für die Hafennutzung in Anspruch genommen werden soll, stattdessen aber andere, bisher unberührte Naturflächen weichen sollen, zum Beispiel in Altenwerder. Erst wenn diese erschlossen wären, würde der Wald unter Naturschutz gestellt. Diese Inanspruchnahme von Naturflächen für industrielle Zwecke hat im Süderelberaum leider schon Tradition.
Das nehmen wir so nicht mehr hin!

Ihr wollt etwas tun?

1.) Dann unterschreibt die Protestmail an den Ersten Bürgermeister auf www.voellibleibt.de.
2.) Tragt Euch in den Newsletter ein und schaut auch bei Facebook, Twitter oder Telegram vorbei, um über alle "Völli bleibt" Aktionen informiert zu sein.
3.) Ihr möchtet uns finanziell unterstützen und damit noch mehr Aktionen möglich machen? Informationen zu unserem Spendenkonto findet ihr hier.


Klimastreik 3.12.2021

Mit dem derzeitigen Hamburger Klimaplan verhindern wir die Klimakatastrophe nicht!
Die Beschlüsse der Klimakonferenz von Glasgow reichen in keiner Weise aus, um die Erderwärmung auf 1,5 ° C zu beschränken!
Die Koalitionsvereinbarungen der wahrscheinlichen künftigen Bundesregierung wecken kaum Hoffnungen...
"Es bleibt viel zu sagen!"
Unter diesem Motto demonstrieren wir kommenden Freitag zusammen mit Fridays for Future und vielen anderen Initiativen.
Der Klimastreik startet um 14 Uhr am Arrivatipark (Nähe Grüner Jäger) Die Route geht ca. 3 km bis zum Schriftzug 1,5 °C
Wir werden dabei sein und freuen uns auf euch!



Waldspaziergang 28.11.2021

Es gibt wieder regelmäßige Spaziergänge im Vollhöfner Wald (alle 3-4 Wochen)!
Ab 12 Uhr. Treffpunkt ist - wie immer - die "Kehre" an der Straße Vollhöfner Weiden zwischen den Bushaltestellen "Dradenauer Deichweg" und "Hafenbahnhof Alte Süderelbe" (Buslinien 146, 250, 251). Ab Fähranleger Finkenwerder wird es um 11:30 h einen Shuttle-Service für Fahrradfahrer*innen geben.



Neues aus dem Völli: Totholz

Ein Kennzeichen naturbelassener, wilder Wälder ist, dass jede Menge abgebrochener, umgestürzter Bäume in allen Stadien der Vermoderung kreuz und quer herumliegen. Dieses „Totholz“, das in bewirtschafteten Wäldern häufig aus dem Wald geräumt wird, erfüllt eine wichtige Funktion im Lebenszyklus des Waldes: Es bildet die Lebensgrundlage für zahlreiche Insekten, Vögel, Flechten, Pilze, Moose und Mikroorganismen bis hin zu jungen Trieben, die auf den alten Stämmen einen idealen Nährboden finden. Die permanente Veränderung, das gleichzeitige Vorhandensein aller Stadien des Lebens, ist ein Grundgesetz in einem natürlichen Wald. Im Völli hat sich über Jahrzehnte ein Waldboden gebildet, der ohne die Totholzeinträge viel ärmer wäre. Nährstoffe, die die Bäume über viele Jahre aus dem Boden gewonnen haben, werden so den oberen Bodenschichten wieder zugeführt. Gleichzeitig bilden sie die Grundlage für die Vielfalt an Pflanzen und Tieren und für die Resilienz, die einen gesunden Wald auszeichnen. Der langsame, aber stetige Zeitablauf des sich ständig regenerierenden Waldbodens hat mit der Eile des Just-in-time einer auf Gewinnmaximierung ausgerichteten Wirtschaft nicht das Geringste zu tun.


Totholz


Neues aus dem Völli: Schwefelporling

Im letzten Jahr konnte man ihn schon durch den Wald leuchten sehen: Jetzt hat sich an anderer Stelle ein gelborangener Schwefelporling gebildet (siehe Foto). In halber Höhe an einer Weide tritt der große Fruchtkörper aus dem Stamm hervor. In Parkanlagen gilt der Porling als „Schädling“, befallene Bäume werden rigoros umgelegt. Denn der Pilz, der gern in Laubbäumen wohnt, ernährt sich vom Abbau des Kernholzes und weicht dieses auf. Dadurch steigt unter Umständen die Bruchanfälligkeit des Baums.
Im Völli bekämpft niemand diesen Pilz, der seine ganz eigene Funktion im Ökosystem hat – und wenn man genau hinschaut, bemerkt man unterhalb des „Vordachs“, das der Fruchtkörper des Pilzes bildet, ein Spechtloch. Specht und Pilz gehen eine Symbiose ein: Der Pilz dringt über die vom Specht geschlagenen Wunden leichter in das Holz ein, und der Specht kann in dem aufgeweichten Stamm anschließend seine Höhle anlegen. Solche Koexistenzen gelingen oft nur in Wildnisgebieten wie dem Völli – wenn niemand auf die Idee kommt, gestaltend eingreifen zu müssen.


Schwefelporling


Am 24.09.2021 gibt es wieder eine Fahrraddemo!

Beginn ist um 10 Uhr in Teufelsbrück.
Nach eine kurzen Kundgebung machen wir uns gemeinsam auf dem Weg zum Klimstreik.
Dabei werden wir vorraussichtilich folgende Route nehmen:
Elbchaussee – Halbmondsweg – Reventlowstraße – Walderseestraße – Behringstraße – Barnerstraße – Bahrenfelder Straße – Schützenstraße – Kohlentwiete – Stresemannstraße – Alsenstraße – Doormannsweg – Fruchtallee – Schröderstiftstraße – Karolinenstraße – Glacischaussee – Millenrtorplatz – Willy-Brandt-Straße


raddemo_sharepic


Neues zu den großflächigen Baumsägearbeiten in der Brutzeit

Die Grünen haben eine Kleine Anfrage zu den Baumschnittarbeiten in Hamburg-Mitte gestellt. Die Anfrage und die erhellenden Antworten findet ihr hier:

https://sitzungsdienst-hamburg-mitte.hamburg.de/bi/vo020.asp?VOLFDNR=1014530

Das Naturschutzamt der Umweltbehörde hat übrigens Arbeitshinweise herausgegeben, die garantieren sollen, dass der Artenschutz beim Anwenden der Baumschutzverordnung eingehalten wird, siehe in diesem Dokument hier vor allem die Seiten 22-34.



Pressemitteilung der Klimaschutzinitiative Vollhöfner Wald
Es ist unfassbar! Das Bezirksamt Hamburg-Mitte führt großflächig Baumsägearbeiten mitten in der Brutzeit durch!

In ganz Finkenwerder wurden seit Ende Mai in den Parks und Grünanlagen umfangreiche Schnittmaßnahmen an Bäumen vorgenommen. Und nicht nur Finkenwerder ist betroffen. Aus Wilhelmsburg und weiteren Stadtteilen werden ähnliche Fälle berichtet. Dabei gilt das „Sommerfällverbot“! Es orientiert sich am §44 des Bundesnaturschutzgesetzes und betrifft den „Besonderen Artenschutz“. Vom 1. März bis zum 30. September dürfen wegen der Brut- und Aufzuchtszeit der Tiere nur im geprüften Einzelfall bei “Gefahr im Verzug“ Schnittarbeiten an Bäumen stattfinden. Darüber setzten sich die sägenden Firmen-mitarbeiter im Auftrag des Bezirksamts Hamburg-Mitte einfach hinweg. Bäume wurden reihenweise aufgeastet. Dafür kletterten die Firmenmitarbeiter bis hoch in die Kronen. Direkt neben Vogelnestern wurden Äste abgesägt. Bleistiftdünne bis armdicke belaubte Zweige und Äste fielen aus den Bäumen auf Rasen und in Gebüsche. Tagelang wurde gesägt und geschreddert. Der Artenschutz wurde einfach ignoriert!

Auf Nachfragen beim Bezirksamtsleiter Falko Droßmann und nach zahlreichen Beschwerden aus der Bevölkerung bei verschiedenen Behördenmitarbeitern ließ das Bezirksamt Hamburg- Mitte in einer Pressemitteilung wissen: „Die Baumpflegearbeiten wurden durch Bereich Stadtgrün angeordnet und in Auftrag gegeben. Hierbei handelt es sich um Maßnahmen, wo durch vorangegangene Baumkontrollen eine hohe Dringlichkeit zur Herstellung der Verkehrssicherheit festgestellt wurde.“ Unsere beigefügten Fotos zeigen eine andere Faktenlage: Es wurde im Wesentlichen aufgeastet und ausgelichtet – alles Schnittmaßnahmen, die sonst im Winter stattfinden. Laut Bezirksamt sei auch der Artenschutz gewährleistet: „Die beauftragten Firmen sind vertraglich angewiesen und fachlich in der Lage, während der Arbeiten am Baum nicht vorhersehbare Lebensstätten von geschützten Arten zu entdecken; sobald dies geschieht, die Schnittmaßnahmen sofort einzustellen und das Bezirksamt umgehend zu informieren.“ Auch das ist falsch: Der Artenschutz während der Brutzeit kann nur nach vorheriger Brutvogelkartierung gewährleistet werden – die in keinem Fall stattgefunden hat. Ein Auffinden von Nestern während der Sägearbeiten bedeutet bereits, dass man den Nestern zu nahe gekommen ist. Es ist in dichten, belaubten Baumkronen oder im Gebüsch schlicht und ergreifend nicht möglich, Nester zu finden, ohne zu stören. Und eine Beeinträchtigung ist auch bereits gegeben, wenn im zu beschneidenden Baum zwar kein Nest, aber im Nachbarbaum oder Gebüsch ein Nest ist und die Altvögel wegen der Störung dort auch nicht mehr anfliegen.

Da sowohl bei den zuständigen Behördenmitarbeitern als auch bei den Firmenmitarbeitern das entsprechende Fachwissen vorausgesetzt werden muss, die Sägearbeiten jedoch trotz unserer Beschwerden weitergingen, muss von vorsätzlichem Handeln ausgegangen werden. Deswegen haben bereits mindestens 12 Bürger*innen Strafanzeige nach §71 Bundesnaturschutzgesetz gegen die Verantwortlichen gestellt. Es könnte sich zusätzlich um einen Verstoß gegen Europäisches Naturschutzrecht handeln, siehe dazu: 04.03.2021 EuGH: Weckruf im Artenschutzrecht – das Verfahren „Schütze den Wald“


Asthaufen Schnittmaßnahmen und Nisthöhle Aufgeastete Linde
Freigesägte Baumhöhle Freigeschnittenes Ringeltaubennest Herabgefallenes Ringeltaubenei




Am 29.05.2021 rufen wir gemeinsam mit anderen Initiativen zu einer Fahrraddemo für den Erhalt aller Naturflächen in Hamburg auf.
Startpunkt für unsere Route ist um 13 Uhr in Teufelsbrück.

Den Flyer gibt es

in Farbe auf deutsch
in Farbe auf türkisch
in Graustufen auf deutsch
in Graustufen auf türkisch

Außerdem gibt es ein Poster

im Hochformat
und im Querformat

Demoflyer Seite 1 Demoflyer Seite 2 Demoflyer Seite 3 Demoflyer Seite 4


Alte Süderelbe erhalten — Elbvertiefung rückgängig machen — für eine andere Hafenpolitik

Kundgebung gegen die Öffnung der Alten Süderelbe

Als am Mittwoch, 21.04. die Treckerdemo aus dem Alten Land auf den Jungfernstieg in Hamburg rollte, waren wir auch da und haben für den Erhalt der Alten Süderelbe und gegen die Elbvertiefung demonstriert.

Treckerdemo am Jungfernstieg Treckerdemo am Jungfernstieg

Debatte in der Bürgerschaft

Ein Antrag (PDF, extern), der unter anderem beinhaltet, "jegliche Maßnahmen zur Öffnung der Alten Süderelbe auf Landesebene zu stoppen", wurde in der Bürgerschaft abgelehnt.
Die Aufzeichnung der Debatte ist in der Mediathek der Bürgerschaft verfügbar.
Auch wenn das Ergebnis absehbar war, so hat die Debatte immerhin gezeigt das es bei der Öffnung der Alten Süderelbe mitnichten um den Versuch einer ökologischen Aufwertung geht, sondern allein darum, angesichts der Sediment-Problematik den anderen Elb-Anrainer-Bundesländern gegenüber nicht tatenlos zu wirken.


Elbvertiefung

Was die fortlaufenden Elbvertiefungen mit der Elbe gemacht haben, könnt ihr zum Beispiel hier sehen:

Panorama 3 Beitrag in der ARD Mediathek
Extra 3 Beitrag in der ARD Mediathek
Panorama 3 Beitrag in der ARD Mediathek
Beitrag aus "Hallo Niedersachen!" auf NDR.de
NaturNah-Dokumentation zum Stint auf YouTube

Der Elbe geht es richtig schlecht! Es fehlt nicht mehr viel und Hamburgs wichtigster Fluss "kippt um". Die einzige Möglichkeit, das zu verhindern, ist, den Wahnsinn der letzten Elbvertiefungen rückgängig zu machen. Bitte unterschreibt die Petition und leitet sie in euren Netzwerken weiter!

Link zur Petition auf openpetition.de


Für eine lebendige Tideelbe!

Hier kann mensch sich ein Bild über die Tag und Nacht laufende "Kreislaufbaggerei" machen:

schiffradar.org/marinetraffic/

Bei den so genannten "Unterhaltungsbaggerungen" werden die Elbsedimente aus den Hafenbecken über den Verklappungsort bei Nesssand bis in die Elbmündung befördert. Von dort aus machen sie sich mit der nächsten Flut wieder auf den Weg gen Hafen. Mehrere Baggerschiffe sind dafür dauerhaft im Einsatz, z. B. Shoalway, Amazone, Ijsseldelta, Taccola, Uilenspiegel...
Sucht euch auf der Karte ein Schiff aus, unter "vesseldetails" könnt ihr unter "past track" und "show track options" sogar die Route der letzten Stunden als Film abspielen lassen (auch im Zeitraffertempo)... sehr eindrücklich!



Kleine Anfrage zum Vollhöfner Wald

In einer Kleinen Anfrage an den Senat hat sich der LINKEN-Abgeordnete Stephan Jersch (ansehen als PDF) unlängst nach dem Sachstand bei der Unterschutzstellung des Vollhöfner Waldes erkundigt. Zur Erinnerung: Im Koalitionsvertrag 2020 wurde vereinbart, den Wald aus dem Hafengebiet (zu dem er nach wie vor gehört) herauszunehmen und unter Naturschutz zu stellen. „Stattdessen sollen andere Flächen in entsprechender Größe für die Hafennutzung aktiviert werden“.

Die Antwort des Senats lässt nun deutlich erkennen, dass seitdem offenbar nicht viel passiert ist:

„Die Hamburg Port Authority AöR (HPA) evaluiert seit Mitte des Jahres 2020 mögliche Flächen, die in eine hafenwirtschaftliche Nutzung gebracht werden könnten. Der Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Eine Aussage, zu wann eine Flächenaktivierung realistisch ist, ist insofern auch in Bezug auf die Ersatzflächen derzeit nicht möglich.“

Zwar bekundet der Senat seine Absicht, den Wald weiterhin nicht roden zu wollen und die Unterschutzstellung bis zum Ende der Legislaturperiode durchzuführen. Im Hinblick auf die Dauer des Schutzverfahrens aber, das ja auch eine Bürgerbeteiligung, öffentliche Auslegung und die Mitwirkung der Naturschutzverbände vorsieht, ist die Sorge nicht ganz unbegründet, dass die HPA auch noch in den nächsten drei Jahren erfolglos weiter evaluieren wird und es dann vor der nächsten Wahl 2025 doch zu keinem Naturschutzgebiet mehr kommt.

Denn eigentlich benötigt der Hafen, allen Prognosen zu den zukünftigen Umschlagszahlen zufolge, auf absehbare Zeit keine Erweiterungsflächen mehr. Stattdessen sind schon derzeit nicht wenige bestehende Flächen ungenutzt, und selbst so ambitionierte und weitgediehene Projekte wie die Westerweiterung Eurogate stehen auf der Kippe, weil ihre Planung bereits auf völlig unrealistischen Annahmen beruhte.

Die Klimaschutzinitiative Vollhöfner Wald, die sich seit Jahren für den Erhalt dieses einzigartigen Waldes einsetzt, fordert deshalb den Senat auf, die Suche nach „Ersatzflächen“, deren Erschließung mit einer weiteren Naturzerstörung und Bodenversiegelung verbunden wäre, aufzugeben und das Schutzverfahren unverzüglich einzuleiten. Es muss möglich sein, wenn sich die Rahmenbedingungen ändern, eine solche Entscheidung auch dann zu treffen, wenn im Koalitionsvertrag sachlich nicht mehr begründbare Vorbehalte genannt sind, so die Klimaschutzinitiative. Denn im Koalitionsvertrag steht auch:

„Die Koalitionspartner setzen auf den Erhalt unversiegelter Flächen und naturnaher sowie klimarelevanter Böden. (…) Die Koalitionspartner setzen sich für den vorsorgenden Schutz der Böden als natürliche Ressource ein.“

Vollends unverständlich ist nach Ansicht der Klimaschutzinitiative allerdings, weshalb seit einigen Wochen wieder verstärkt die Polizei durch den Wald patrouilliert und sogar – mitten in der Brutzeit – minutenlang ein Polizeihubschrauber tief über dem Wald steht. Auch danach hatte Stefan Jersch (DIE LINKE) gefragt.

Der Senat begründet den Polizeieinsatz in seiner Antwort damit, dass „in der Nähe der Vollhöfner Weiden im Bereich Moorburger Hinterdeich/Moorburger Kirchdeich“ Gegenstände deponiert worden seien, die „zum Bau von Unterkünften oder Plattformen geeignet“ gewesen seien. Dieser Ort liegt allerdings mehr als 4 km von „den Vollhöfner Weiden“ entfernt, so dass die Begründung für den aufwändigen Einsatz, zu dem sich der Senat „aus einsatztaktischen Gründen“ nicht weiter äußern möchte, reichlich Rätsel aufgibt.

Die Klimaschutzinitiative fordert, dass der Wald durch die Behörden bereits vor der formellen Unterschutzstellung als schutzwürdiges Gebiet behandelt und die sensible Fauna und Flora nicht weiter durch unnötiges und offensichtlich übereifriges polizeiliches Handeln beeinträchtigt wird.



Stoppt den Flächenfraß!

Ein neues Gesetz soll das Zubauen von Landschaft in unverantwortlicher Weise erleichtern und beschleunigen.
Bitte protestiert gegen dieses Vorhaben, unterstützt die NABU-Aktion: mitmachen.nabu.de/de/flaechenfrass
Ab Ende Januar 2021 berät der Bundestag über den Gesetzesentwurf, eine Entscheidung wird im Februar erwartet.



Fahrraddemo: Danni erkämpfen, Verkehrswende erstreiten!

Redebeitrag zu A26West auf YouTube.

Aufruf: Fahrraddemo - Danni erkämpfen, Verkehrswende erstreiten!
Wir sind wütend, wütend über die unveränderte Verkehrs- und Umweltpolitik in diesem Land. Überall in Deutschland kämpfen entschlossene Menschen gegen den stetigen Ausbau des Autobahnnetzes und den anhaltenden Fokus auf motorisierten Individualverkehr. Obwohl klar ist, dass diese keine Zukunft haben und dieses Vorgehen eine nachhaltige und gerechte Verkehrswende behindert, wird weiter daran festgehalten. 5 Jahre nachdem das Pariser Abkommen beschlossen wurde, zeigen Politik und Wirtschaft uns stetig, dass sie für Klimagerechtigkeit, Trinkwasserversorgung und Artenvielfalt nichts übrig haben, außer diese mit Füßen zu treten. Mehr noch: Menschen, die die ökologischen Krisen ernst nehmen und sich gegen das Durchsetzen privatwirtschaftlicher Interessen stellen, werden kriminalisiert. So bleibt das Abkommen ein Lippenbekenntnis, mit dem ein Erreichen der Ziele nicht mehr möglich ist. In Hamburg geht der Ausbau der A26 einher mit der dauerhaften Zerstörung von wertvollem Lebens- und Wohnraum für Menschen, Pflanzen und Tiere und einer weiteren Belastung durch Schadstoffemissionen und Lärm insbesondere für Anwohner*innen. Und all das, um durch weitere Autobahnen für den Güterverkehr die Wettbewerbsfähigkeit des Hamburger Hafens, eines zentralen Brennpunkts für Neokolonialismus und kapitalistische Ausbeutung von Natur und Mensch, zu steigern. Wir sagen: Es reicht! Es ist Zeit zu akzeptieren, dass mehr und größere Straßen keine Ent-, sondern eine weitere Belastung in vielerlei Hinsicht bedeuten. Stattdessen braucht es nachhaltige Mobilitätskonzepte des öffentlichen Personenverkehrs sowie Infrastruktur für klimafreundliche Fortbewegung.

Gemeinsam wollen wir auf der Hamburger Autobahn zeigen, wie eine ökologische Verkehrswende aussehen kann. Damit zeigen wir auch unsere Solidarität mit den Aktivist*innen, die seit über einem Jahr die Bereiche der nordhessischen Wälder, den Maulbacher Wald, den Dannenröder Wald und den Herrenlos Wald, besetzen, denn auch hier soll Lebensraum dem Ausbau der A49 weichen. Ein rechtliches Gutachten im Auftrag vom hessischen Landesverband des BUND hat gezeigt, dass rechtliche Handlungsspielräume bestehen, um die Rodungen im Dannenröder Wald noch zu stoppen. Wir fordern deshalb den hessischen Verkehrsminister Tarek Al-Wazir dazu auf, einen sofortigen Rodungsstopp zu veranlassen. Wir rufen auf zur gemeinsamen Fahrraddemo in Solidarität mit den Kämpfen im Dannenröder Wald, gegen den Ausbau von Autobahnen, egal ob in Hamburg oder anderswo und für eine sofortige klimagerechte Verkehrswende.

Zusammen mit zahlreichen Gruppen aus ganz Deutschland rufen wir am Samstag den 12.12., dem 5. Jahrestag des Pariser Klimaabkommens, dazu auf, den Protest mit unseren Rädern auf die Autobahnen zu bringen! In Solidarität mit den Kämpfen im Dannenröder Wald, gegen den Ausbau von Autobahnen, egal ob in Hamburg oder anderswo und für eine sofortige, klimagerechte Verkehrswende!

Bringt eure Fahrräder mit, malt bunte Schilder oder Banner und lasst uns laut und deutlich für eine gerechte Zukunft kämpfen.

Unterzeichnende Gruppen:



Das Fürstenmoor bleibt! – Zumindest vorerst.

Das Mercedes Werk in Bostelbek wird erst einmal nicht erweitert. Die Pläne zur Trockenlegung des Moores, auf dem der neue Logistikstandort entstehen sollte, können „bis auf weiteres“ zurückgestellt werden. Das sind gute Nachrichten. Und diesmal hat das Unternehmen sogar die Erweiterung verschoben, bevor mit der Herrichtung der Fläche begonnen wurde. So wird aus dem Fürstenmoor keine triste Brache wie in Neuland, wo DHL sich erst nach der Trockenlegung und Abtragung des Moores gegen den Logistikstandort entschieden hat.
(News zu diesem Thema auf mbpassionblog und harburg-aktuell.)

Doch leider ist diese Entscheidung nicht endgültig. Anscheinend kann sich der Hamburger Senat nicht dazu durchringen, wertvolle Grünflächen im Stadtgebiet konsequent zu schützen. Auch der Erhalt des Vollhöfner Walds ist noch immer nicht gesichert.

Die Grünen möchten jetzt das Fürstenmoor in ein Naturschutzgebiet umwandeln. Aber auch nur, wenn sie sich damit nicht gegen neue Arbeitsplätze stellen. Müssen sich die Grünen in Zeiten der Klimakrise wirklich zwischen den wenigen Arbeitsplätzen, die ein modernes Logistikzentrum bietet, und einem Moor als wichtigem CO2-Speicher entscheiden? Die SPD dagegen hat eine klare Position und hofft, dass Mercedes das Logistikzentrum doch noch baut. Und die Baustelle der A26 West, die bereits kurz vor Neugraben entlangführt, zeigt, dass der Status eines Naturschutzgebiets nicht allzu viel wert ist.



Birken im Bostelbeker Moor Neuland 23 Großbaustelle A26 West


Treffen Sonntag den 25.10.2020

Noch im Frühjahr wurde viel diskutiert, ob die aktuelle COVID 19 Pandemie zu einem Paradigmenwechsel in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft führen würde. Von dauerhaften, radikalen Veränderungen war die Rede. Doch das politische und wirtschaftliche Bestreben, nach der Krise ohne große Änderungen schnell wieder zum vorherigen „normalen“ Zustand zurückzukehren, ist stark.

Nach einem halben Jahr mit Pandemie können wir feststellen, dass der „pandemische Weckruf“ an Intensität verloren hat. Es gibt kleine Veränderungen, doch die große Reichweite bleibt bisher aus. Bei Entscheidungen über wirtschaftliche Hilfen und Infrastrukturmaßnahmen erhalten soziale und ökologische Kriterien immer noch zu wenig Gewicht. Mittlerweile gibt es deutschlandweit zahlreiche und starke gesellschaftliche Akteur*innen, die mit unterschiedlichsten Mitteln und Strategien eben dafür eintreten. Und trotzdem werden von Flensburg über Berlin bis nach Garzweiler und Dannenrod Wälder abgeholzt und Moore trockengelegt, damit mehr Kohle abgebaut, neue Autobahnen und Fabriken entstehen können. Die Pläne sind oft Jahrzehnte alt. Neue Umstände und Überlegungen werden nicht berücksichtigt. Das ist kein Paradigmenwechsel, sondern reines „Weiter So“!

Am kommenden Wochenende jährt sich die Räumung des Baumhauses im Vollhöfner Wald.
Für die Räumung von Pappelapapp hat der der Hamburger Senat weder Aufwand noch Kosten gescheut. Bis jetzt hat der Vollhöfner Wald keinen geschützten Status.
Es ist auch nicht klar, was der Senat für den Wald plant oder ob überhaupt über nächste Schritte nachgedacht wird. Auch, ob tatsächlich die Natur in Altenwerder anstelle des Vollhöfner Walds zerstört werden soll, ist nicht geklärt.
Fragt doch mal nach, bei Eurem Bezirkspolitiker, beim Hafenpolitischen Sprecher Eurer favorisierten Partei, direkt beim Ersten oder der Zweiten Bürgermeister*in.

Am Sonntag treffen wir uns unter Berücksichtigung der Corona-Vorgaben am Wald. Es gibt Raum für Austausch, Unterhaltung und Kinderspaß.


Baumhaus vor der Räumung Räumung am 24.10.2019 Räumung am 24.10.2019
Räumung am 24.10.2019 Räumung am 24.10.2019 Räumung am 27.10.2019


Danni bleibt!

Für die Fertigstellung der A49, eine zweite Verbindung zwischen Kassel und Gießen, soll mitten durch den Dannenröder Forst (einem ca. 300 Jahre alten Mischwald) eine ca. 70 ha große Schneise geschlagen werden, die den Wald teilt. Um dies zu verhindern, haben Aktivist*innen Baumhäuser entlang der geplanten Autobahnstrecke errichtet. Im nahegelegenen Herrenwald, einem europäischen Naturschutzgebiet, wurden am 2.10.2020 die Baumhäuser geräumt und die Rodungen direkt begonnen. Trotzdem versuchen Aktivist*innen dort weiterhin die Rodungsarbeiten aufzuhalten. Der Dannenröder Forst kann aktuell noch geschützt werden.

Die Planung der A49 reicht zurück in die 60 er Jahre und ist seit dem mehrmals verworfen und wieder aufgenommen worden. Die jetzige Planung führt die Autobahn durch die weitgehend unberührte Natur des 250 Jahre alten Dannenröder Forst und ein Trinkwasserschutzgebiet. Am 23. Juni 2020 hat das Bundesverwaltungsgericht zwar dem BUND Recht gegeben, dass der Planfeststellungsbeschluss 2012 die europäische Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) missachtet. Allerdings hat das Gericht dennoch die Klage des Naturschutzverbandes gegen den Weiterbau der Autobahn abgewiesen. „Das deutsche Wasserrecht sei flexibel genug“ zitiert eine Aktivistin die Begründung des Gerichtes.

Da ist es eine berechtigte Frage, ob die Mobilität der Zukunft in weiteren Autobahnen und zunehmendem Straßenverkehr liegt. Oder ob vielmehr – auch vor dem Hintergrund der Klimakrise und des Artensterbens – eine grundlegende Neuausrichtung der Verkehrspolitik notwendig ist.
Im Falle der A49 gibt es bereits alternative Konzepte zur Entlastung der vom Durchgangsverkehr stark beeinträchtigten Ortschaften. Diese sind im „Dannenröder Appell“ zusammengefasst.

Dem Klima nützen keine bloßen Bekenntnisse und Zielsetzungen – vielmehr müssen wirksame Maßnahmen umgesetzt werden. Eine zukunftsgerechte Verkehrspolitik erfordert ein grundlegendes Umdenken, bei dem ökologische und soziale Aspekte ausreichend berücksichtigt und alle Beteiligten nicht nur angehört sondern in die Lösungsfindung einbezogen werden!

Weitere Informationen rund um den Dannenröder Forst findet Ihr unter:
Mahnwache-dannenröderforst.de
waldstattasphalt.blackblogs.org


Außerdem gibt es diese vier Petitionen:
von Greenpeace
von Campact
vom BUND
auf weACT

Danni bleibt! Danni bleibt! Danni bleibt!


Fahrraddemo gegen Flächenfraß am 27.09.2020

Wir danken allen die trotz des suboptimalen Wetters an der Demo teilgenommen haben!
Mit etwa 50 Menschen sind wir zu den Orten vergangener und drohender Zerstörung von Naturräumen geradelt.

Redebeitrag auf der Fahrraddemo der Klimaschutzinitiative Vollhöfner Wald am 27.09.2020

Ich möchte an den Anfang eine Frage stellen, die eine Aktivistin aus dem Dannenröder Wald vor zwei Wochen in einem Interview geäußert hat. Der Dannenröder Wald, das ist ein gesunder Buchen- und Eichenmischwald in Hessen, den die dortige schwarz-grüne Landesregierung in Kürze für den Bau einer Autobahn zum großen Teil abholzen will.
Sie hat gesagt: „Wenn wir der Klimakrise wirklich begegnen wollen, dann müssen wir – meiner Meinung nach – alle unsere Lebensbereiche verändern. Der Dannenröder Wald ist so ein Kristallisationspunkt all dieser Fragen, so zum Beispiel: Worauf legen wir Wert – wollen wir eine weitere Autobahn, um uns möglichst schnell von A nach B zu bewegen, meinetwegen zu einem Job, der uns nicht gefällt, oder um Güter zu transportieren, die wir eigentlich gar nicht brauchen, oder wollen wir etwas erhalten, was uns selber am Leben erhält?“
Worauf legen wir also Wert?
Die Hamburger Umweltbehörde legt Wert auf die Behauptung, dass Hamburg „die vielleicht grünste Millionenstadt der nördlichen Hemisphäre“ sei. Das mag stimmen, wenn man damit vor allem Straßenbäume und Parkanlagen meint. Aber gleichzeitig schreitet die Vernichtung und Bebauung von ökologisch viel bedeutenderen Naturflächen auf Hamburger Stadtgebiet unvermindert voran – und das trotz der sich beschleunigenden Klimakrise, trotz des drastischen Verlusts an Biodiversität und trotz der dringenden Notwendigkeit, zum Beispiel die letzten Moore als CO2-Speicher zu erhalten.
Das – muss – aufhören!
Die Bodenversiegelung in Hamburg durch Straßen und Gebäude beträgt mittlerweile etwa 40% der Gesamtfläche. Vor zehn Jahren waren es noch weniger als 30%, das sind zehn Prozentpunkte mehr Beton und Asphalt binnen eines Jahrzehnts. Anfang der Achtzigerjahre waren nur etwas über 20% der Fläche Hamburgs versiegelt. Und man muss dabei berücksichtigen, dass jede Verkehrsinsel, jeder Rasenplatz und jeder Ziergarten als unversiegelt gilt.
Aber was bedeutet eigentlich Versiegelung? Versiegelung bedeutet: Der Boden wird dem Austausch zwischen Erdreich und Atmosphäre entzogen, die natürlichen Funktionen der Böden werden vollständig zerstört. Flächenversiegelung ist nur schwer und unter hohen Kosten wieder rückgängig zu machen. Und der ökologische Schaden lässt sich auch nicht einfach „ausgleichen“: Ein jahrhundertealtes Torfmoor kann man nicht einfach umsiedeln, sondern es geht ersatzlos verloren.
Glauben wir nicht länger an die Ausgleichsarithmetik der Umweltpolitik:
Wir können es uns schlicht nicht mehr leisten, bestehende Ökotope zu zerstören und darauf zu hoffen, dass sie sich vielleicht in Jahren oder Jahrzehnten woanders wieder entwickeln werden!
Die größten noch unversiegelten Flächen finden sich in Hamburg heute südlich und östlich der Elbe – und das weckt Begehrlichkeiten bei Industrie und Bauwirtschaft. Es gibt eine Vielzahl von aktuellen und geplanten Bauvorhaben und Gebietserschließungen, die ich hier gar nicht alle aufzählen kann: von Finkenwerder über Fischbek und Wilhelmsburg bis Oberbillwerder und dem geplanten Mega-Rasthof an der A1. Zwei besonders empörende Bauprojekte werden wir nachher auf unserer Fahrraddemo aufsuchen:


Man kann sich über jedes dieser Bauprojekte im Einzelnen streiten – zusammengenommen bedeuten sie eine scheibchenweise Versiegelung natürlicher Lebensräume im Süderelbegebiet.
Wir fordern daher, dass die Natur im Süderelberaum von der Stadt Hamburg, die sich im Koalitionsvertrag dem Erhalt klimarelevanter Böden verschrieben hat, nicht weiter vor allem als Flächenvorrat für die wachsende Stadt betrachtet wird!
Noch ein Wort zum angeblich klimafreundlichen Bauen: Heutzutage betreibt Hamburg natürlich nicht mehr die Baupropaganda der Siebzigerjahre, als Beton schick und das Klima egal waren: Heute baut man „Klima-Modell-Quartiere“, mit begrünten Dächern und Strom aus Sonnenkollektoren. Das ist ja ganz schön und weist baupolitisch in die richtige Richtung – aber man braucht sich keine Illusionen darüber zu machen, dass das irgendetwas mit Klimaneutralität zu tun hätte.
Auch für „Klima-Modell-Quartiere“ wird vom Aussterben bedrohten Tier- und Pflanzenarten der Lebensraum entzogen, werden Moore, die wichtigsten CO2-Speicher, die wir haben, trockengelegt, Tausende Tonnen Sand bewegt, der von sonstwo herangekarrt werden muss, und es wird Beton eingesetzt, dessen Produktion jährlich Milliarden Tonnen CO2 verursacht, mehr als der gesamte weltweite Flugverkehr.
Ein solches, in eine Naturfläche hineingestampftes Neubaugebiet als „Klima-Modell-Quartier“ zu bezeichnen, ist nichts anderes als staatliches Greenwashing!
Lassen wir uns davon nicht in die Irre führen!
Hamburgs globale Verantwortung als Metropole liegt in Zeiten des Klimawandels nicht mehr darin, für Wachstum zu sorgen. Die Wachstumslogik, auch die Logik der wachsenden Stadt, kommt durch die Klimakrise endgültig an ihr Ende.
Denn die globale Klimaerhitzung wird maßgeblich durch Städte und ihren Ressourcenverbrauch verursacht. Bis zu 80 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen sind städtischen Ballungsräumen und ihren Bevölkerungen zuzurechnen.
Aber auch aus Eigeninteresse muss eine Stadt wie Hamburg alle noch bestehenden unversiegelten Flächen unangetastet lassen, weil sie nämlich für eine lokale Abkühlung, für ein lokales Mikroklima sorgen, ohne das ein Leben in einer Metropole bei steigenden Temperaturen kaum noch auszuhalten sein wird. Schon jetzt beträgt der Temperaturunterschied zwischen Hamburg und dem Umland zwischen Mai und Oktober im Mittel etwa 3 Grad.
Jeder und jede, die etwa im Hochsommer von dieser Straße hier herkommend abends den Vollhöfner Wald betritt, wird das spüren. Und wenn solche Wälder und andere Naturflächen immer weiter verschwinden, wird das Leben in Hamburg in naher Zukunft im Sommer unerträglich werden, trotz Elbe und Alster und ein paar verstreuten Parks.
Was wir brauchen, ist Flächenrecycling, Umbau und Neunutzung von bestehenden Gebäuden, nachwachsende Baumaterialien, weniger Mobilität.
Was wir nicht brauchen, ist weiterer Flächenfraß!

Und wir müssen uns fragen, wie die eingangs zitierte Aktivistin aus dem Dannenröder Wald:
Worauf legen wir Wert, für heute und für die Zukunft?


Die Klimaschutzinitiative Vollhöfner Wald ruft am 27.09.2020 zu einer Fahrraddemo gegen Flächenfraß auf

Trotz der sich beschleunigenden Klimakrise, trotz des drastischen Verlusts an Biodiversität und trotz der dringenden Notwendigkeit, die letzten Moore als CO2-Speicher zu erhalten, werden auch in Hamburg weiter Naturflächen in großem Umfang bebaut und versiegelt.

Die Bodenversiegelung in Hamburg durch Straßen und Gebäude beträgt mittlerweile 39% der Gesamtfläche, und sie hält unvermindert an. Vor zehn Jahren lag der Anteil noch bei unter 30%, Anfang der Achzigerjahre bei etwas über 20%. Versiegelung bedeutet: Der Boden wird dem Austausch zwischen Erdreich und Atmosphäre entzogen, die natürlichen Funktionen der Böden werden vollständig zerstört. Das hat nicht nur Auswirkungen auf den Wasserhaushalt, sondern auch aufs Ökosystem bis hin zum Stadtklima. Flächenversiegelung ist obendrein nur schwer und unter hohen Kosten rückgängig zu machen, geschweige denn „auszugleichen“: Ein jahrhundertealtes Torfmoor lässt sich nicht umsiedeln, sondern geht ersatzlos verloren.

Die größten unversiegelten Flächen finden sich heute in Hamburg noch südlich und östlich der Elbe – und das weckt Begehrlichkeiten bei Industrie und Bauwirtschaft. Denn es erscheint allemal einfacher, eine weitere Naturfläche plattzumachen, als sich mit aufwändigem Flächenrecycling zu beschäftigen – auch wenn dies nicht nur in ökologischer Hinsicht der bessere Weg wäre.


Wir wollen zwei besonders drastische Beispiele für Flächenfraß im Süderelberaum aufsuchen und rufen zur Fahrraddemo auf:

Wir treffen uns am Vollhöfner Wald, der weiterhin Eigentum der HPA und leider noch kein Naturschutzgebiet ist.

Auf dem Weg nach Neuland halten wir am Bostelbeker Moor und protestieren gegen die nicht mehr zeitgemäße Trockenlegung und Bebauung der Moores durch Daimler.

Am Ort der Abschlusskundgebung in Neuland finden wir eine von der Stadt Hamburg „entwickelte“ Industriefläche vor.


1. Bostelbeker Moor

Nahe dem Daimler-Werk an der A7 liegt ein 20 ha großes und zwei Meter mächtiges Niedermoor, das zahlreichen streng geschützten Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum gibt und eigentlich einen besonders hohen Schutzstatus genießt. Die Bezirksversammlung Harburg hat dennoch mit rot-grüner Mehrheit der Vernichtung des Moores für ein Daimler-Logistikzentrum zugestimmt.

Um nach dieser Entscheidung noch in den Spiegel schauen zu können, betreibt man ein wenig Greenwashing: Das Werk soll „klimaneutral“ erweitert werden und bekommt eine Photovoltaikanlage sowie ein grünes Dach. Ob darauf die vertriebenen Pflanzen und Tiere angesiedelt werden sollen, ist nicht bekannt …

Zeigen wir vor Ort lautstark, was wir von diesen Plänen halten!


2. Neuland 23

Auch in Neuland gab es bis vor Kurzem noch ein unberührtes Moorgebiet, heute liegt dort eine riesige Sandwüste, auf der sich seit Längerem nichts mehr bewegt hat. Nachdem die Stadt eine acht Meter mächtige Torfschicht abgetragen und zahlreiche bedrohte Tier- und Pflanzenarten für einen Gewerbe„park“ vernichtet hat, ist leider der Investor abgesprungen – ohne dass irgendwer dafür zur Verantwortung gezogen werden kann.


Neuland 23 soll eines von 19 „Klima-Modell-Quartieren“ werden – so werden neuerdings geplante Flächenfraß-Projekte genannt, die ein wenig grün aufgehübscht sind. Angesichts der enormen Bedeutung gerade von Mooren als Kohlenstoffsenken, aber auch als vielfältigen Lebensräumen, ist das zynisch und empörend.


Schluss mit dem Flächenfraß in Hamburg und anderswo!

Für den unbedingten Erhalt noch bestehender Naturflächen!



Unser Zeitplan ist:
12:00Uhr Auftaktkundgebung am Völli
12:30Uhr Abfahrt zum Borstelbeker Moor
13:15Uhr Zwischenkundgebung am Fürstenmoordamm, Höhe Eisenbahnbrücke
15.15Uhr Abschlusskundgebung am Neuländer Weg

Unsere Route verläuft:
Vollhöfner Weiden - Waltershofer Straße - Georg-Heynken-Straße
- Fürstenmoordamm - Moorburger Bogen - Moorburger Straße
- Seehafenstraße - Seehafenbrücke - Buxtehuder Straße
- Buxtehuder Brücke - Walter-Dudek-Brücke - Großmoordamm
– Großmoorbogen - Neuländer Straße - Neuländer Weg

Links zu Videos auf YouTube:

Beitrag aus dem Hamburg Journal

Redebeiträge vom Marcel und Gudrun vor dem Vollhöfner Wald Redebeitrag von Frederik vor dem Fürstenmoor

Redebeitrag vom Jan zu Oberbillwerder vor Neuland 23
Weitere Infos zu Oberbillwerder